Blog By Vanessa Masing

Wie alles begann

Die Geschichte des Duke of Edinburgh’s International Award

Wo alles begann – Die Vision von Kurt Hahn

Die Ursprünge des Duke of Edinburgh’s International Award reichen zurück bis in die 1920er-Jahre – in eine Zeit gesellschaftlichen Umbruchs, in der neue Wege der Bildung gesucht wurden. Im Mittelpunkt stand ein Mann mit einer außergewöhnlichen Idee: Dr. Kurt Hahn, ein deutscher Pädagoge, Visionär und entschiedener Befürworter einer werteorientierten Erziehung.

Hahn war überzeugt: Bildung darf nicht auf reine Wissensvermittlung beschränkt sein. Sie muss junge Menschen dazu befähigen, Verantwortung zu übernehmen, Krisen zu bewältigen, für sich und andere einzustehen und gemeinschaftliche Grundwerte aktiv mitzutragen. Für ihn war klar: Charakter bildet sich nicht allein im Klassenzimmer, sondern im echten Leben – durch Erfahrung, Herausforderung und Gemeinschaft. Hahns Ziel war es, junge Menschen nicht nur auf akademische Leistung, sondern auch auf gesellschaftliche Mitverantwortung und Teilhabe vorzubereiten.

Gemeinsam mit Prinz Max von Baden gründete er 1920 die Schule Schloss Salem am Bodensee – eine der ersten Schulen, die ein ganzheitliches Bildungskonzept umsetzte. Hahns Ziel war es, junge Menschen nicht nur auf akademische Leistung, sondern auch auf gesellschaftliche Mitverantwortung und demokratische Teilhabe vorzubereiten. Persönlichkeiten wie Robert Bosch unterstützten diese Reformpädagogik ideell und erkannten die Bedeutung einer ethisch fundierten Erziehung für eine stabile, freie Gesellschaft.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste Hahn als bekennender Demokrat und Gegner des Regimes Deutschland verlassen. Im britischen Exil setzte er seine Arbeit fort, nachdem er bereits zuvor in Oxford studiert hatte.

Hahns Ziel war es immer, möglichst viele junge Menschen zu erreichen. Nachdem er in Gordonstoun bereits 1934 als Fokus für die extracurricularen Aktivitäten das „Gordonstoun Badge“ eingeführt hatte, kam die entscheidende Öffnung 1936 mit dem „Moray Badge“, an dem nun alle Jungen im County teilnehmen durften. Das Abzeichen umfasste sechs Teile (zu denen Schwimmen/Lebensrettung, Leichtathletik und Expeditionen gehörten, aber noch nicht Dienst und Talente), drei Altersgruppen sowie in jeder Altersgruppe die Stufen Standard und Silber.

Bei einer Schulleiterkonferenz im Januar 1938 in Oxford stellte Hahn schließlich die Idee eines landesweiten „County Badge“ mit den heutigen vier Elementen vor. Diese wurde von Counties wie Hertfordshire aufgegriffen, aber der zweite Weltkrieg vereitelte die weitere Verbreitung.

Das Kriegsjahr 1941 wurde das Gründungsjahr einer weiteren Hahn-Schöpfung. Zusammen mit dem Reeder Laurence Holt gründete er in Aberdovey, an der Westküste von Wales, die erste „Outward Bound School“, an der das County-Badge-Handbuch als Grundlage vierwöchiger Kurse für meist 16 bis 20-jährige Schüler diente.

Die Idee eines Jugendleistungsabzeichens wurde 1954 mit neuem Leben erfüllt, als Hahn Prinz Philip um Unterstützung für einen neuen Anlauf bat. Hahn berief ein Komitee, das auf der Basis der früheren Abzeichen ein nationales Programm entwerfen sollte. Das Ergebnis war die Einführung des Duke of Edinburgh‘s Award im Jahr 1956 mit Sir John Hunt, dem Leiter der ersten erfolgreichen Mount-Everest-Expedition, als Direktor.

Das Programm breitete sich schnell in andere Länder aus und 1988 wurde in Australien das Weltprogramm formell gegründet. Heute überwacht die „Duke of Edinburgh’s International Award Foundation“ die Einhaltung der Prinzipien, erkennt nationale Herausgeber an, bietet eine Plattform für Diskussion und Kommunikation und ist Träger des Internationalen Sekretariats in London.

Seit 1956 hat sich der „Award“ zum weltweit führenden Entwicklungsprogramm für junge Menschen entwickelt. Was einst in Großbritannien begann, wurde zu einer weltumspannenden Bewegung: Heute ist der Duke of Edinburgh’s International Award in über 130 Ländern aktiv und hat Millionen von Jugendlichen ermutigt, ihr Potenzial zu entfalten – unabhängig von Herkunft, Bildung oder sozialen Voraussetzungen.

In Deutschland gründeten 1994 mehrere Organisationen, die bereits unter direkter Aufsicht des Internationalen Sekretariats mit dem Programm arbeiteten, den Trägerverein. Dieser wurde 1996 vom Ministerium für Kultus und Sport Baden-Württemberg als freier Träger der Jugendhilfe und vom Weltprogramm als deutscher Programmherausgeber anerkannt. Zu den Anbietern gehört auch die Schule Schloss Salem, wo 1920 alles begann.

10 Jahre nach der Gründung des Duke of Edinburgh’s Award gründete Hahn die internationale Schulbewegung der United World Colleges (UWC), die Bildung als Friedensinstrument zwischen den Kulturen versteht.