Stand der Forschung

Der Duke Award bedient sich verschiedener Methoden, wie dem Mentoring und erlebnispädagogischen Naturerfahrungen, um junge Menschen nachhaltig in ihrer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung zu bestärken. Kern des Konzept ist das Erfahren von Selbstwirksamkeit durch das Setzen von smarten Zielen, der Bildung von Gewohnheit und dem Feiern von Erfolgen.

Die Wirkung unserer Methodik ist breitflächig wissenschaftlich validiert worden, welches auf einen robusten Stand der Forschung hinweist. Hier wird zunächst ein Einblick über unsere verschiedenen Instrumente gegeben, bevor wir den Duke Award ganzheitlich betrachten.

Aktivitätsbereiche

Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte erklärt, dass Bildung auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein muss.

Laut Bhoite und Shinde (2019) umfasst Persönlichkeitsentwicklung sowohl angeborene Merkmale als auch die Entwicklung kognitiver und behavioraler Muster, die durch Interaktionen und persönliches Wachstum geformt werden. Die Herausbildung der Persönlichkeit endet nicht in der Kindheit, sondern die Entwicklung von körperlichen, geistigen und sozialen Fähigkeiten ist ein lebenslanger Prozess. Persönlichkeitsbildung verfolgt bestenfalls einen ganzheitlichen Ansatz, der darauf abzielt, das volle Potenzial einer Person in unterschiedlichen Lebensbereichen zu entfalten, um ein erfülltes und authentisches Leben zu ermöglichen.

Der Mitbegründer des Duke Awards, Kurt Hahn, identifizierte mehrere Verfallserscheinungen in der Gesellschaft, die die Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigen:

  1. Der Verfall der menschlichen Anteilnahme und Verantwortungsübernahme: Viele junge Menschen wissen nicht, wie und wo sie sich freiwillig engagieren können (45,5 % der Befragten) oder welche Stärken sie in ein Engagement einbringen könnten (31,8 % der Befragten). Zudem wünschen sich viele mehr Anerkennung und Qualifikationsnachweise für ihr Engagement. (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung GmbH, 2020)
  2. Der Verfall der Sorgsamkeit: Besonders bei komplizierteren Arbeiten mangelt es an Sorgfalt. Projekte wie das Goldprojekt und Talente sollen hier Abhilfe schaffen.
  3. Der Verfall der persönlichen Initiative und Eigenverantwortlichkeit: Initiativen wie Expeditionen sollen dazu beitragen, diese Fähigkeiten zu fördern.
  4. Der Verfall der körperlichen Tauglichkeit: Dieser Bereich wird durch Maßnahmen zur Fitness und Gesundheit angesprochen, wie sie auch in den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG 3) verankert sind.

Diese Ansätze und Maßnahmen zielen darauf ab, die Persönlichkeitsentwicklung ganzheitlich zu fördern und die genannten Verfallserscheinungen zu bekämpfen, um junge Menschen zu einem erfüllten und engagierten Leben zu verhelfen. Die philosophischen Wurzeln Hahns werden im Mentoringleitfaden von Klaus Vogels beschrieben:

Kompetenzerwerb

Die zentrale Frage des 21.Jahrhunderts lautet:

„Wie können wir junge Menschen auf Arbeitsplätze vorbereiten, die es noch gar nicht gibt, auf gesellschaftliche Herausforderungen, die wir uns noch nicht vorstellen können, und auf die Nutzung von Technologien, die noch gar nicht erfunden wurden?“ (OECD 2019).

Der OECD Lernkompass 2023 bietet Antworten darauf und betont, dass formale Bildung und Curricula sich ändern müssen. Bis dahin füllen evidenzbasierte non-formale Bildungsangebote diese Lücken.

Konkret geht um die Vermittlung von Kompetenzen und die Förderung der „student agency“. Diese ist eng mit der Entwicklung einer Identität und eines Zugehörigkeitsgefühls verknüpft. Wenn Schüler:innen diese Fähigkeit entwickeln, greifen sie auf Motivation, Hoffnung, Selbstwirksamkeit und ein Growth-Mindset zurück – das Verständnis, dass Fähigkeiten und Intelligenz entwickelt werden können –, um ihr Wohlbefinden zu steigern. Dies befähigt sie, zielgerichtet zu handeln, sich in der Gesellschaft zu entfalten und erfolgreich zu sein.

Kompetenzen sind Fähigkeiten, die zielorientiertes Handeln ermöglichen und für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen essenziell sind. Zu den zu erlernenden Fähigkeiten zählen kognitive und metakognitive Kompetenzen wie kritisches Denken, kreatives Denken, Lernen zu lernen und Selbstregulierung. Ebenso wichtig sind soziale und emotionale Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Selbstwirksamkeit, Verantwortung und Zusammenarbeit. Diese ganzheitliche Entwicklung von Kompetenzen und student agency bereitet junge Menschen optimal auf die unvorhersehbaren Herausforderungen der Zukunft vor. (OECD 2019)

Smarte Zielsetzung

Selbstwirksamkeit bezeichnet das Vertrauen einer Person in ihre eigenen Fähigkeiten, bestimmte Aufgaben oder Herausforderungen erfolgreich bewältigen zu können. Dieses Konzept, eingeführt vom Psychologen Albert Bandura, spielt eine entscheidende Rolle in Motivationstheorien. Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit sind überzeugt, dass sie durch ihre eigenen Handlungen die gewünschten Ergebnisse erzielen können, was oft zu größerer Ausdauer und Erfolgsorientierung führt.

Das Erfahren von Selbstwirksamkeit funktioniert dann besonders gut, wenn folgende Faktoren gegeben sind:

  • smarte Zielsetzung
  • Feedback und Reflexion durch bspw. Mentoring
  • Feiern von Erfolgen

Studien zeigen, dass Selbstwirksamkeit eng mit schulischem Erfolg und Lernmotivation verbunden ist. Schüler, die an ihre eigenen Fähigkeiten glauben, zeigen oft bessere Leistungen und sind motivierter. (Schunk 1991, Bandura)

Mentoring

Das Ziel von Mentoring-Programmen ist die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung, des Lernens und des Vorankommens des Mentees (Ziegler, 2009, zitiert nach Schnebel, 2020).

Die Chancen solcher Programme sind vielfältig:

  • Sie haben positive Auswirkungen auf die schulische Entwicklung, einschließlich der Leistung und des akademischen Selbstkonzepts, sowie auf die allgemeine Entwicklung in Bezug auf Selbstwert und Freundschaften (Raufelder & Ittel, 2012).
  • Zudem können sie zu einem Rückgang delinquenten Verhaltens und reduziertem Substanzmissbrauch bei zuvor auffälligen Schüler*innen führen (Raufelder & Ittel, 2012).
  • Weiterhin verbessern sie das Klassen- und Schulklima, die Schulzufriedenheit und das individuelle Wohlbefinden (Raufelder & Ittel, 2012).
  • Mentoring dient auch als Maßnahme in der Begabtenförderung und der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Herausforderungen (Ziegler, 2009, zitiert nach Schnebel, 2020; Busse et al., 2018, zitiert nach Schnebel, 2020).

Die Wirksamkeit dieser Programme hängt stark von der vorherigen Beziehung, der Qualität und der Langlebigkeit der Mentoring-Beziehung ab. Eine Herausforderung besteht darin, dass Inhalte von Mentoring-Programmen kaum in den Curricula der Lehrer*innenbildung integriert sind (Schnebel, 2020). Außerdem sind Mentoring- und Coaching-Programme an Schulen nach wie vor eher selten (Raufelder & Ittel, 2012).

Expeditionen

Erlebnispädagogik ist ein Ansatz, der durch intensive Naturerlebnisse zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt. In einer Meta-Analyse von Bowen und Neill (2013) wurden bestehende empirische Studien analysiert, um eine Gesamteffektgröße zu berechnen. Diese Studie umfasste 17.728 Teilnehmer:innen, davon 62 % männlich und 38 % weiblich, im Alter von 10 bis 17 Jahren aus den USA. Die durchschnittliche Programmdauer betrug im Median 26 Tage.

Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass Erlebnispädagogik eine wirksame therapeutische Methode ist, die sowohl kurz- als auch langfristige Vorteile bietet. Diese Erkenntnisse unterstützen die Einbeziehung der Erlebnispädagogik als wertvolle Option im therapeutischen Kontext und bieten bedeutende Benchmarks für ihre Wirksamkeit im Vergleich zu alternativen oder keinen Maßnahmen. Ähnliche Effektgrößen wurden auch in den Meta-Studien von Hattie et al. (1997) und Laidlaw (2000) festgestellt, die allgemein Abenteuerprogramme untersuchten.

Darüber hinaus trägt die Erlebnispädagogik positiv zu den UN-Nachhaltigkeitszielen bei. Naturerlebnisse im Kindes- und Jugendalter sind prägend für das naturbezogene Verhalten im Erwachsenenalter (BPB 2022; Gebauer 2009). Positive Naturerfahrungen fördern die Bereitschaft, sich naturverträglich zu verhalten, Einschränkungen zum Schutz der Natur zu akzeptieren und sich im Naturschutz zu engagieren (Rosa & Collado). Diese Erfahrungen korrelieren mit Umweltbewusstsein und einem besseren Verständnis für Umweltschutz (Gebauer 2009).

Besonders bedeutsam ist der Zugang zur Natur für weniger privilegierte Gruppen. Studien, vor allem aus den USA, zeigen, dass Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen und einkommensschwachen Familien im Hinblick auf den Zugang zur Natur benachteiligt sind (BPB). Dies unterstreicht die Wichtigkeit von Programmen, die diesen Zugang ermöglichen und als Teil eines guten Lebens fördern.

Für eine Übersicht zum aktuellen Forschungsstand siehe beispielsweise DeVille et al. (2021), Rosa et al. (2018), und Rosa & Collado (2019).

EFQM und Schulentwicklung

Wie die Programmarbeit in Deutschland steht auch ihr Handbuch auf starken internationalen Füßen: der Philosophie und System des Programms sowie dem EFQM-basierten Modell der Programmentwicklung (das sich selbst wieder auf die UN-Entwicklungsziele bezieht). Inhaltlich beginnt es nicht am Nullpunkt, sondern knüpft – als kleinstem gemeinsamen Nenner der Jugendarbeit in unserem Land – an die Juleica-Ausbildung an.

Das Modell der Programmentwicklung knüpft wie seine Vorlage EFQM an wichtige internationale Standards an. Dazu gehören z.B. die Charta der Grundrechte der EU, die Europäische Menschenrechtskonvention, die Europäische Sozialcharta und die „17 Ziele für nachhaltige Entwicklung“ der UN (vgl. Exkurs 4.1).